Vortrag und andere Zeitgenossen

Der geneigte Leser wartet sicher schon brennend auf die Berichte des Tagesereignisses von gestern: Wolfgang hielt im Konferenzraum “Cityview I” den Vortrag ueber unser Projekt. Nun ja, ich hab ihn eh aufgezeichnet, also spar ich mir jetzt die Einzelheiten. Wolfgang hat ihn sich schon angesehen und meinte er haette zu viel gezappelt. Ich fands garnicht so schlimm, es war halt Bewegung drin. Wer Interesse an “Table Extraction using Spatial Reasoning on the CSS2 Visual Box Model” hat, solle sich einfach beim Autor melden.

Der Rest des Abends hat eigentlich lange Zeit wie ein Reinfall ausgesehen(wie sieht eigentlich ein Reinfall aus? Ich stelle mir grade vor wie die von Max und Moritz zersaegte Bruecke in den Fluss stuerzt) doch als ich mich dann gegen 1830 Richtung Ubahnstation bewegte traf ich wieder einen Teil der netten Partie vom Vorabend. Marc, ein Amerikaner der in Baltimore studiert und eine deutsche Ex-Wieder-Ex-Wieder-Freundin (oder so) hat, hat die aeußerst beneidenswerte Gabe immer wieder durch sein froehliches Auftreten die Leute um sich zu scharen, in kurzer Zeit sich irgendein Plan auszudenken und den beinhart durchzuziehen. Dieser war gestern mit einer Gruppe von 22(!) Leuten, die er fast alle zufaellig in der Ubahn getroffen hat, chinesisch essen zu gehen. Mit Blick auf die ganzen Geeks, war ich anfangs doch recht skeptisch, doch was soll man sonst schon mit einem halb angebrochenen Abend anfangen.

Chinesisch Essen: Dieses Volk macht auch vor nichts halt! Wie ich das jetzt beschreiben soll, ist mir noch nicht ganz klar, ich probiers aber mal. Die Haelfte der Leute bestellte Limo-Drive(oder so), das ist ein Haufen Fressen(tut mir leid fuer den Ausdruck, aber so ist es leider nun mal) der auf den Tisch gekarrt wird, jeder nimmt sich was er kriegen kann und schaufelt es mit Hilfe von Gabeln und Staebchen in sich rein. Die zivilisierten Menschen unter uns(ein Mitteleuropaeer aus einer nicht naeher genannt werden wollenden Alpenrepublik ) bestellte aufgrund seines Vegetarismus “seperately”, was definitiv ein Fehler war. Nicht jedoch das seperate Bestellen, sondern das Bestellen an sich. Das absolut mieseste Mittagsmenue in der letzten chinesischen Spelunke in Wien ist ein Volksfest(Volksfest ist im Zusammenhang mit der Volksrepublik China noch lustiger; ich hab’ grade 150 kleine Maos im Kopf die um einen Maibaum tanzen und die Internationale singen) fuer den Gaumen im Vergleich zu dem was mir der Kellner ruede auf den Tisch knallte. Laut Speisekarte handelte es sich um “Coconut Curry Vegetables”. Also dachte ich an irgendwas aehnliches was man im “Bangkok” bekommt.(Der, meinen Essensgewohnheiten vertraute Leser weiß worum es sich hierbei handelt). Aber nichts dergleichen: Rohes(irgendwann hat es sicher mal einen Kochtopf(glaube nicht dass die Amis einen Wok haben) Gemuese(hauptsaechlich halbe Zwiebeln, riesige Bueschel Brocolli, komische Fisolen und Karottenteile) gesellten sich zu einem Tofu der in seiner Konsistenz einem durchtraenktem Marshmellow glich. Diese Mischung war umgeben von einer undefinierbaren braeunlichen Sauce die nach nichts schmeckte. Man suchte verzweifelt nach Spurenelementen von Curry oder Kokosnuss. Der Reis dazu hat dermaßen verkocht ausgesehen, dass ich ihn nicht mal probiert habe. Den anderen setzte der Kellner aehnlichen Fraß vor(das lustige ist, der Kellner sucht bei Limo-Drive aus, was er den Leuten bringt, und labert dann ein auswendig gelerntes Gstanzel der folgenden Art runter:”I chose the Blablalbla for you, it is a very good blalblallalbla in an excellent blablablabla with a kind of blablablabla taste. The things over there are blalbblalbala, actually these are my favourites in this restaurant…” Die anderen an unserem Tisch nickten nach jedem “Blabla” und warteten nur bis sie diese “Blablablas” mithilfe aller mitgelieferten Hilfsmittel(Messer, Gabel, Loeffel, Staebchen, und selbst die von Gott geschenkten Haende) in ihre gierigen Muender schaufeln konnten. Ich versteh garnicht warum die meisten Amis so fett sind, wenn sie sich gegenseitig beim Essen zuschauen wuerden, dann wuerde ihnen saemtlicher Appetit sowieso vergehen. Dies passierte auch sogleich mir, denn als ich die Haelfte meines “Dishes” runtergewuergt hatte, war die Kollegin neben mir bereits mit ihrem gluteinfrei zubereitetem(Ei gat an äällartschii) Huhn ihn irgendwas auch schon wieder fertig. Da war dann auch bei mir Schluss und ich warf mein Essen zur freien Entnahme(nur bildlich) in die tobende Meute und verdrueckte mich auf die Straße(eigentlich saßen wir direkt an einer, aber selbst dort ist Rauchverbot, weil es zum Lokal gehoert(die spinnen die Amis)) um genueßlich eine Zigarette zu rauchen(So ein 7$ Packerl haelt relativ lange, da weiß man was man genießt).

Nach dem Hauptgang kamen mir dann fast noch einmal die Erbsen hoch, als sich die meisten noch ueberbackene Bananen mit Schokosauce und Vanilleeis goennten. Doch nun wieder zurueck zu den erfreulichen Dingen: Hatte sehr nette Unterhaltungen mit ein paar Leuten an diesem Tisch(eigentlich nur mit denen die nicht nach Geeks ausgesehen haben). Gegen 2230 beschlossen wir noch in eine Bar zu gehen(endlich mal ein gescheiter Vorschlag) und das war richtig gemuetlich(bis auf das staendige Rausrennen, wenn man eine Rauchen will; ich bin uebrigens der einzige Raucher den ich bisher getroffen habe(und ich hab mich selbst noch garnicht getroffen). In der Bar war Live-Musik gute Stimmung, Bier in Literflaschen und nette Unterhaltungen ueber Gefaengnisaufenthalte, Stripcluberfahrung und aehnlichem Kram. Irgendwie scheint das Betrachten weiblicher Nacktheit im Norden des amerikanischen Kontinents sehr viel weit verbreiteter sein als bei uns. Man macht das anscheinend bei jedem groeßeren Fest, das man mit Freunden feiert.(Gott sei dank hab ich den “s”-Fehler noch rechtzeitig bemerkt, denn “groeßeren Fest, dass” waere ja doch peinlich gewesen). Um 0030 dann in stroemendem Regen heim, gluecklicherweise noch die letzte Ubahn erwischt, und muede ins Bett gefallen. Ueber das Foto von gestern bin ich mir noch nicht sicher aber ich glaube es ist: dedicated to geeks

geeks

1 Response to “Vortrag und andere Zeitgenossen”


  1. 1 koebesine July 19, 2006 at 7:47 pm

    der arme paohlinho. überall in den restaurants (oder sollte ich lieber schreiben “restaurants”?) wird mit nackten frauen gefeiert, während er ganz alleine auf der straße steht und raucht. Besonders gefallen hat mir heute die Frau mit der Äällertschii. :) Eine Frage: Wenn Du ein typisches Urlaubs äh.. sorry, Businessreisen-Souvenir mitbringen würdest, was wäre das?

    übrigens: schade wegen tim und susan (oder bob und susie? ken und barbie? wie hiessen die noch)


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